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Dekontaminationsmaßnahmen


Prionen sind gegen viele üblicherweise eingesetzte bakterizide und viruzide Desinfektionsmittel und – verfahren besonders stabil, da diese keine Wirkung auf die Proteinkonformation haben. Damit widersteht das infektiöse PrPSc üblichen Desinfektionsverfahren, mit denen konventionelle Erregergruppen wie Viren und Bakterien inaktiviert werden können. Auch gegenüber physikalischen Inaktivierungsprozessen, wie der Behandlung mit Gamma- und UV-Strahlen sowie Mikrowellen zeigt sich das infektiöse Agens als extrem resistent. Lediglich die Sterilisation mit gesättigtem Wasserdampf bei hoher Temperatur sowie gewisse starke Alkalien (z.B. Natronlauge) und Oxidationsmittel (z.B. Natrium-Hypochlorit) können eine vollständige Inaktivierung der TSE-Erreger bewirken, indem sie die Proteinstruktur zerstören.


Folgende Dekontaminationsmaßnahmen für Instrumente und Oberflächen ermöglichen eine weitgehende Inaktivierung des infektiösen Agens und sollten angewandt werden, wenn eine Kontamination mit pathologischen Prion-Protein stattgefunden hat (Koch et al. 2003).


1. Dampfautoklavieren von autoklavierbarem Material bei 134°C für eine Stunde, bei 121°C für 4,5 Stunden oder bei 136°C in zwei aufeinanderfolgenden Zyklen von je 36 Minuten


2. Instrumente, die durch Formalin-fixiertes, nicht Ameisensäure-vorbehandeltes

Gewebe kontaminiert worden sind, lassen sich durch Autoklavieren nicht ausreichend dekontaminieren, sondern sollten durch Einlegen in 2 M NaOH (2x mindestens 30 Minuten) dekontaminiert werden


3. Arbeitsflächen und Böden werden mit 2 M NaOH mehrfach abgewischt, um eine längere Einwirkzeit zu gewährleisten. NaOH ist sehr gut auf Stahloberflächen, jedoch nicht auf Aluminium- oder Zinkoberflächen zu verwenden. Alternativ kann eine Natrium-Hypochloridlösung angewandt werden, die mindestens 11.800 ppm aktives Chlor enthalten muß (in der Praxis wird in der Regel mit mindestens 20.000 ppm gearbeitet); Achtung: irritierende Gase, Lösung immer frisch ansetzen)


4. Kontaminierte Haut wir für 5-10 Minuten 1 m NaOH ausgesetzt und danach

gründlich mit Wasser abgespült.


5. Alle Restmaterialien, Einweginstrumente und kontaminierte Flüssigkeiten werden

in gekennzeichnete Verbrennungstonnen (c-Abfall) gegeben und verschlossen

abgegeben.



Sicherheitshinweise für eine geeignete chemische Desinfektion zur Inaktivierung von Prionen.


1. Natriumhydroxid (NaOH, Natronlauge)

Für bestimmte nicht autoklavierbare Oberflächen und Materialien eignet sich am besten die einstündige chemische Desinfektion mit 2M Natronlauge (8%), mit einer Einwirkzeit von üblicherweise 2 x 30 Minuten oder über Nacht. Dieser Stoff ist gegen Prionen wirksam, hat aber den Nachteil, daß er auf Aluminium- und Zinkoberflächen kororsiv wirkt; insbesondere diese dürfen daher nie mit Hydroxidionen in Kontakt kommen. Instrumente aus rostfreiem Edelstahl hingegen können problemlos in hochalkalischen NaOH-haltigen Lösungen aufbereitet werden. Es gilt zudem zu beachten, dass Natronlauge eine ätzende Lauge ist, die unter keinen Umständen in das Auge gelangen darf und Hautreizungen verursachen kann; das Tragen einer Schutzbrille und geeigneter Schutzkleidung, inklusive Handschuhe, ist deshalb unumgänglich.


2. Natriumhypochlorit (NaOCL, Javellewasser)

Ein gut wirksames Mittel gegen Prionen ist Natriumhypochlorit (NaOCL). Dadurch werden aber nicht nur aluminiumhaltige Metalle und verzinkte Anlagenteile durch Korrosion angegriffen, sondern generell alle oxidativ angreifbaren Metalle, weshalb NaOCL auch für Edelstahl nicht ideal ist. Eingesetzt wird es auf Keramikplatten und Steinflächen oder zur Desinfektion von größeren Raumflächen (z.B. in Örtlichkeiten, wo potentiell BSE-infektiöses Rindermaterial in großem Stil anfällt). Natriumhypochlorit wird immer als frische Arbeitslösung angesetzt, in einer Konzentration von 5% mit einer Einwirkzeit von mindestens eine Stunde. Da nicht nur die absolute Chlormenge in ppm einer Verbindung maßgeblich ist, sondern auch die Zeit, in welcher das Chlor an das Medium abgegeben wird, muß bei der Desinfektion von Prion-kontaminierten Materialien von der Verwendung anderer anorganischer oder organischer Chlorspender, z.B. Natrium-Dichlor-Isocyanurat (NaDCC), abgeraten werden.


3. Guanidinium-Thiocyanat (GdnSCN)

Zur Dekontamination von empfindlichen Oberflächen und thermolabilen Instrumenten in neurochirurgischen Kliniken, Augenkliniken und Zahnarztpraxen kann Guanidinium-(iso)Thiocyanat (GdnSCN) empfohlen werden. GdnSCN ist als Salz im Handel erhältlich und muß als mindestens 4-molare Lösung eingesetzt werden, um eine irreversible Denaturierung von Proteinen zu bewirken. Zur Dekontamination von Instrumenten, die mit Risikomaterial in Kontakt gekommen sind, beträgt die Einwirkzeit 2 x 30 (60) min. GdnSCN kann zusammen mit Säuren giftige Dämpfe entwickeln. Es soll daher nicht zusammen mit anderen Chemikalien/Reinigungsmittel eingesetzt werden. Die GdnSCN-Wirkung auf Proteine kann durch Alkohol aufgehoben werden. Eine Vorreinigung mit Alkohol oder fixierende Substanzen (Aldehyde, vermutlich auch Enzyme) ist daher obsolet. Zum persönlichen Schutz werden Schutzhandschuhe und Schutzkittel getragen. Die Lösung soll nicht verschluckt, oder eingeatmet werden und nicht in die Augen gelangen. Mit der Lösung in Kontakt gekommene Körperteile werden mit Wasser gründlich abgespült.


Personenschutzmaßnahme bei der Dekontamination

Bei allen Dekontaminationsmaßnahmen ist auf ausreichenden Personenschutz zu achten. Bei Arbeiten ist das Tragen geeigneter Schutzkleidung (Schutzkittel), Schutzhandschuhe und Schutzbrille/Gesichtsschutz erforderlich.